SPD-Stadtratsfraktion Erfurt

Offener Brief des Jugendhilfeausschusses Erfurt: Bei der Jugend spart man nicht!

Allgemein

Sehr geehrter Herr Minister Holter,


über Partei- und Fraktionsgrenzen hinaus haben wir mit Bestürzung, Bedauern und Unverständnis die Nachricht zu möglichen Kürzungen in der Kinder- und Jugendhilfe vernommen. Der aktuelle Haushaltsentwurf des Thüringer Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport (TMBJS) sehe eine Kürzung der Örtlichen Jugendförderung von 17 Millionen auf 15 Millionen Euro vor. Laut Planansatz bedeutet dies allein in Erfurt eine Minderförderung in Höhe von über 175.000 Euro in Differenz zum Jahr 2021.


Wir sagen Nein zur Kürzung der örtlichen Jugendförderung!


Die im Haushalt veranschlagten Mittel dienen der Ermöglichung der vielfältigen Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit und der Arbeit der Jugend- und Sozialverbände in der Landeshauptstadt Erfurt.


Mit diesem Geld werden unter anderem Angebote der Offenen Kinder- und Jugendarbeit,
Jugendverbandsarbeit und Jugendsozialarbeit auf lokaler Ebene finanziert.
Herausfordernder und notwendiger denn je sind nach zwei Jahren Pandemie diese
Angebote insbesondere für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Kinder und
Jugendliche, die Träger der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit und die dort
ehrenamtlich Engagierten und hauptamtlichen Fachkräfte haben keine Kürzungen,
sondern mehr Aufmerksamkeit verdient! Die Strukturen und Einrichtungen sind nicht nur
Freizeit- und Bildungsangebote, sie stärken junge Menschen in der Bewältigung von
Herausforderungen und sind Orte von Partizipation und Demokratie. Die Erfahrungen,
die junge Menschen dort sammeln, sind unerlässlich für ihren weiteren Lebensweg.
Investitionen in die Jugend sind immer Investitionen in die Zukunft unseres Freistaates.
Jeder investierte Euro zahlt sich aus!


Viele junge Menschen waren in zwei Jahren Corona-Pandemie solidarisch mit ihren
Mitmenschen, haben sich selbst eingeschränkt und auf viele Dinge verzichten müssen.
Wenn man das erkennt und anerkennt, kann die Antwort nicht weniger Geld für die
Kinder- und Jugendarbeit sein. Ganz im Gegenteil!


Die langfristigen Folgen der Pandemie lassen sich heute noch nicht abschätzen.
Allerdings wissen wir sicher, dass insbesondere benachteiligte Kinder und Jugendliche
von den Auswirkungen der Pandemie besonders stark betroffen waren und sind. Jede
Kürzung im Bereich der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe verstärkt Benachteiligungen in
unserer Gesellschaft!


Die Kommunen und auch die Landeshauptstadt Erfurt können Kürzungen des Landes
nicht abfedern. Kürzungen für Kommunen konterkarieren zudem das Ziel des
Haushaltsgesetzgebers zur Stärkung der Kommunen. Die geplante Kürzung sendet ein
fatales Signal an alle jungen Menschen in unserer Stadt und dem gesamten Freistaat. Wir
bitten deshalb das zuständige Ministerium, sich für eine Änderung des geplanten
Haushaltes stark zu machen und die geplante Kürzung zu verhindern – für junge
Menschen und deren Familien in Erfurt und ganz Thüringen!


Herr Minister Holter, wir fordern als Mitglieder des Jugendhilfeausschuss Erfurts,
machen auch Sie die Prioritätensetzung bei Kürzungen deutlich.
Kinder und Jugendliche dürfen keine Geisel der globalen Minderausgabe sein. Bitte machen Sie deutlich, dass die Mittel der vergangenen Jahre am Mindestbedarf ausgerichtet waren. Eine Kürzung sollte daher im Verständnis aller ausgeschlossen sein.


Mit freundlichen Grüßen im Sinne der Kinder und Jugendlichen Erfurts sowie im Namen der 14 stimmberechtigten Mitglieder des Jugendhilfeausschusses der Landeshauptstadt Erfurt für den örtlichen Träger der Kinder- und Jugendhilfe


Daniel Mroß, Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses Erfurt, Fraktion SPD
Uwe Edom, stellvertretender Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, Diakonisches Werk
Lili Fischer, Fraktion CDU
Peter Weise, Fraktion CDU
Bettina Löbl, Fraktion SPD
Katja Maurer, Fraktion die Linke
Nico Paul, Fraktion B90/Die Grünen
Tina Morgenroth, Fraktion Mehrwertstadt
Stefan Schade, Fraktion Freie Wähler/FDP/Piraten
Maud Ganzert, Caritas
Miriam Trautwein, Arbeiterwohlfahrt
Jens Uhlig, Paritätischer Wohlfahrtsverband
Lisa Schwörer, Stadtjugendring Erfurt
Anja Pleitz, Stadtjugendring Erfurt

 
 
 

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